Wie berechnet man die Maschenzahl für einen Pullover? Der vollständige Leitfaden
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Um die Maschenzahl für einen Pullover zu berechnen, ist die Grundregel einfach: Man multipliziert die gewünschte Breite (in cm) mit der Maschenzahl, die man auf 10 cm mit der eigenen Maschenprobe erzielt hat. Mit dieser kleinen Formel lässt sich eine Körpergröße in eine genaue Maschenzahl umrechnen – unabhängig von Garn, Nadeln oder der angestrebten Größe.
Doch um einen Pullover zu erhalten, der wirklich gut sitzt, muss man über die reine Formel hinausgehen: Spannung, Bequemlichkeitszugabe, Verteilung zwischen Körper, Ärmeln und Kragen, Anpassungen je nach gewähltem Muster... In diesem Leitfaden gehen wir alles von Anfang an Schritt für Schritt durch, als würden wir nebeneinander stricken. Am Ende wirst du in der Lage sein, die Maschenzahl selbst zu berechnen, egal ob du einem Knit Sis-Muster folgst oder dein eigenes maßgeschneidertes Modell entwirfst.
Inhalt:
- Die Informationen, die vor der Berechnung gesammelt werden müssen
- Die Schritt-für-Schritt-Formel (mit Zahlenbeispiel)
- Die detaillierte Berechnung pro Pulloverteil (Körper, Ärmel, Kragen)
- Eine Richtwerttabelle für Maschen pro Größe
- Anpassung der Berechnung an die eigene Maschenprobe
- Fehler, die das Ergebnis verfälschen
- Häufig gestellte Fragen
1. Die 3 Informationen, die vor der Berechnung der Maschen gesammelt werden müssen
Die eigene Maschenprobe oder "Spannung"
Die Maschenprobe (oder gauge) entspricht der Anzahl der Maschen und Reihen, die du auf einer Fläche von 10 × 10 cm mit deinem Garn, deinen Nadeln und deinem Muster erzielst. Dies ist der zentrale Wert: Die gesamte Pulloverberechnung hängt davon ab.
Um sie korrekt zu messen:
- Stricke eine Maschenprobe von mindestens 12 × 12 cm (etwas größer als 10 × 10 cm, um einen zuverlässigen Messbereich in der Mitte zu haben, fernab von den Rändern, die dazu neigen, sich zu verformen).
- Stricke im Hauptmuster des Pullovers (Glatt rechts, strukturiertes Muster usw. je nach Modell).
- Blockiere die Maschenprobe (vorsichtiges Waschen + flach trocknen): Die Maschen ändern sich oft nach dem Blockieren, manchmal erheblich je nach Faser.
- Zähle im mittleren Bereich die Maschenzahl auf 10 cm Breite und die Reihenzahl auf 10 cm Höhe.
So erhältst du zwei wesentliche Verhältnisse:
Maschen pro cm = Maschenzahl ÷ gemessene Breite (cm) Reihen pro cm = Reihenzahl ÷ gemessene Höhe (cm)
Der eigene Brustumfang
Messe den breitesten Teil des Brustumfangs, das Maßband waagerecht, ohne zu ziehen. Wenn der Pullover über einer Schicht (Hemd, dickes T-Shirt) getragen werden soll, messe mit dieser Schicht, um zu vermeiden, dass das Kleidungsstück zu eng wird.
Die Bequemlichkeitszugabe
Die Bequemlichkeitszugabe ist die Differenz zwischen deinem Brustumfang und der endgültigen Breite des Pullovers. Sie bestimmt den Schnitt:
- Figurbetont / körpernah: + 0 bis + 4 cm
- Klassischer Schnitt: + 6 bis + 10 cm
- Weit / Oversize: + 12 cm und mehr
Diese Wahl wird vor der Berechnung getroffen, da sie sich direkt auf die zu strickende Maschenzahl auswirkt.
2. Die Formel zur Berechnung der Maschenzahl eines Pullovers
Sobald die Maschenprobe und die Maße vorliegen, erfolgt die Berechnung in drei Schritten.
1️⃣ Die zu bedeckende Breite bestimmen. Gesamtbreite des Pullovers = Brustumfang + Bequemlichkeitszugabe. Für Vorder- oder Rückenteil arbeiten wir in der Regel mit der Hälfte dieser Breite.
2️⃣ Mit der eigenen Maschenprobe multiplizieren.
Maschenzahl = gewünschte Breite (cm) × Maschen pro cm
3️⃣ Je nach Rand anpassen. Bei Bedarf werden einige Maschen für Rippen, Randmaschen oder eine Krausrippe hinzugefügt.
Zahlenbeispiel: Du möchtest 50 cm Breite für das halbe Vorderteil, und deine Maschenprobe ergibt 2,3 Maschen pro cm. 50 × 2,3 = 115 Maschen sind für dieses Teil anzuschlagen (aufzurunden auf ein Vielfaches deines Musters, siehe unten).
Diese Formel funktioniert für einen einfachen Pullover, glatt rechts gestrickt, ohne besondere Formgebung. Für eine vollständige Berechnung muss sie auf jedes Teil des Kleidungsstücks angewendet werden – dies ist das Thema des nächsten Abschnitts.
3. Berechnung der Maschenzahl für jeden Teil des Pullovers
Der Körper: Rücken und Vorderteil
Dieselbe Formel wie oben, separat auf Rücken- und Vorderteil angewendet (sie können je nach Muster geringfügig unterschiedliche Breiten haben, insbesondere wenn der Halsausschnitt das Vorderteil stärker betont).
Die Ärmel
Die Ärmel werden an zwei Punkten berechnet: die Breite an der Schulter (die breiteste Stelle) und die Breite am Handgelenk (die schmalste Stelle), dann werden die beiden durch regelmäßige Zunahmen verbunden.
Maschen Schulter = Schulterbreite (cm) × Maschen pro cm Maschen Handgelenk = Handgelenkbreite (cm) × Maschen pro cm
Beispiel: Schulter 34 cm und Handgelenk 20 cm, Maschenprobe 2,2 Maschen/cm.
- Schulter: 34 × 2,2 = 74,8 → 75 Maschen
- Handgelenk: 20 × 2,2 = 44 → 44 Maschen
Du schlägst 44 Maschen am Handgelenk an und nimmst dann schrittweise auf 75 Maschen am Armausschnitt zu, wobei die Zunahmen über die Länge des Ärmels verteilt werden.
Der Kragen und Halsausschnitt
Für einen Rippenkragen (der sich zum Überziehen des Kopfes dehnen muss) berechnet man zuerst den Halsumfang × Maschen pro cm und reduziert diese Zahl dann um 10 bis 15 %, da Rippen das Gestrick naturgemäß enger machen.
Beispiel: Halsumfang 38 cm, Maschenprobe 2,4 Maschen/cm in glatt rechts. 38 × 2,4 = 91 Maschen in glattem Stoff, reduziert auf etwa 78-80 Maschen unter Berücksichtigung des "elastischen Rippeneffekts".
4. Richtwerttabelle: Maschenzahl nach Größe
Als Anhaltspunkt (Maschenprobe 20 Maschen / 10 cm in glatt rechts, klassische Bequemlichkeitszugabe von + 6 cm) – muss immer an die eigene Maschenprobe angepasst werden, diese Tabelle ersetzt niemals die individuelle Berechnung:
| Größe | Brustumfang | Pulloverbreite (+6cm) | Maschen Rücken/Vorderteil (jedes Teil) |
|---|---|---|---|
| 36 | 84 cm | 90 cm | ≈ 90 Maschen |
| 38 | 88 cm | 94 cm | ≈ 94 Maschen |
| 40 | 92 cm | 98 cm | ≈ 98 Maschen |
| 42 | 96 cm | 102 cm | ≈ 102 Maschen |
| 44 | 100 cm | 106 cm | ≈ 106 Maschen |
| 46 | 104 cm | 110 cm | ≈ 110 Maschen |
| 48 | 108 cm | 114 cm | ≈ 114 Maschen |
| 50 | 112 cm | 118 cm | ≈ 118 Maschen |
Wenn deine Maschenprobe nicht 20 Maschen/10 cm beträgt, beziehe dich auf die unten stehende Umrechnungsmethode anstelle dieser Tabelle.
5. Was ist, wenn deine Maschenprobe von der im Muster angegebenen abweicht?
Dies ist einer der häufigsten Fälle: Du wechselst das Garn, und deine Maschenprobe stimmt nicht mehr genau mit der des Musters überein. Du musst nicht alles von Grund auf neu berechnen – es reicht aus, ein Verhältnis anzuwenden:
- Teile deine Maschenprobe durch die des Musters → das ist dein Umrechnungsfaktor.
- Multipliziere die Maschenzahl des Musters mit diesem Faktor, um deine neue Maschenzahl zu erhalten.
Beispiel: Das Muster gibt 20 Maschen / 10 cm an und verlangt das Anschlagen von 200 Maschen. Deine Maschenprobe ergibt 22 Maschen / 10 cm. Verhältnis = 22 ÷ 20 = 1,1. Neue Maschenzahl = 200 × 1,1 = 220 Maschen
Diese Umrechnungsmethode wird in englischsprachigen Strickkreisen häufig verwendet; sie wird zum Beispiel von Tin Can Knits oder von Cocoknits detailliert beschrieben, und die Grundlagen der Maschenprobe werden im Leitfaden "Gauge 101" von Ysolda gut erklärt.
6. Berechnung an Muster und Motive anpassen
Die Grundberechnung geht von einem glatt rechts gestrickten Stück aus. Sobald ein Muster eingeführt wird, muss man genauer werden:
- Zöpfe: Sie "schlucken" Breite, indem sie Maschen kreuzen. Ein Zopf verengt das Gestrick im Vergleich zu einfachem Glatt rechts: Man muss oft ein paar Maschen hinzufügen, um dies auszugleichen und die gewünschte Breite wiederherzustellen.
- Lochmuster / Spitze: Im Gegensatz dazu neigen diese Muster dazu, das Gestrick nach dem Blocken zu verbreitern. Die Maschenprobe sollte immer im tatsächlichen Muster gestrickt werden, niemals nur glatt rechts, wenn der Pullover viel Spitze enthält.
- Zentrales Motiv (einzelner Zopf, Lochmusterpaneel): Überprüfe, ob deine Gesamtmaschenzahl es ermöglicht, das Motiv zu zentrieren, ohne es unschön zu zerschneiden.
- Ränder (Rippen, Krausrippe): Plane ein paar zusätzliche Maschen für den Übergang zwischen Rand und Hauptmotiv ein.
- Musterrapport: Wenn sich dein Muster zum Beispiel alle 8 Maschen wiederholt, runde deine Gesamtzahl auf das nächste Vielfache von 8 (wobei die Randmaschen separat hinzugefügt werden).
7. Die Reihenzahl nicht vergessen
Die Maschenzahl gibt die Breite an, aber die Reihenzahl gibt die Länge an. Die Logik ist identisch:
Reihenzahl = gewünschte Höhe (cm) × Reihen pro cm
Beispiel: Für eine Rumpflänge von 40 cm mit einer Maschenprobe von 2,8 Reihen/cm müssen 40 × 2,8 = 112 Reihen vor dem Armausschnitt gestrickt werden.
8. Die häufigsten Fehler (und wie man sie vermeidet)
- Keine Maschenprobe anfertigen oder eine unblockierte Maschenprobe verwenden → die tatsächliche Maschenprobe ändert sich nach dem Waschen und verfälscht die gesamte Berechnung.
- Die Maschenprobe "gespannt" zwischen den Fingern messen, anstatt sie natürlich flach hinzulegen.
- Die Maschenzahl abrunden, ohne das Musterrapport zu berücksichtigen → Motiv abgeschnitten oder verschoben.
- Die Randmaschen oder Rippen vergessen → der fertige Pullover ist schmaler als erwartet.
- Den Einfluss von Mustern (Zöpfe, Spitze) auf die lokale Maschenprobe ignorieren.
- Die vom Muster angegebene Maschenzahl beibehalten, ohne neu zu berechnen, obwohl das Garn gewechselt wurde.
- Jedes Teil separat berechnen, ohne die Gesamtkonsistenz zu überprüfen (z.B. inkompatible Armausschnitte des Körpers mit dem Ärmelansatz).
9. Vollständiges Beispiel: vom Brustumfang bis zum fertigen Pullover
Fassen wir ein konkretes Beispiel zusammen:
- Brustumfang = 96 cm
- Gewünschte Bequemlichkeitszugabe = + 6 cm → Gesamtbreite 102 cm → halbes Vorderteil 51 cm
- Maschenprobe = 2,4 Maschen / cm
- Körper: 51 × 2,4 = 122,4 → es werden 122 oder 124 Maschen angeschlagen, je nach Musterrapport
- Ärmel: Schulter 32 cm und Handgelenk 19 cm → 32 × 2,4 = 77 Maschen an der Schulter, 19 × 2,4 = 46 Maschen am Handgelenk
- Rippenkragen: Halsumfang 36 cm → 36 × 2,4 = 86 Maschen glatt, reduziert auf ca. 73-75 Maschen unter Berücksichtigung der Elastizität der Rippen
Du kannst genau diese Logik anwenden, um ein bestehendes Muster an deine Körperform anzupassen. Das kann man zum Beispiel mit der Silhouette des Gilet Chou (Cardichou) machen: Man behält die Struktur bei (Position des Raglans, proportionale Abnahmen), aber berechnet die Grundmaschen mit der eigenen Maschenprobe und den eigenen Maßen neu, um die Weste in einen perfekt sitzenden Pullover mit langen Ärmeln zu verwandeln.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Maschen muss ich für einen Pullover in Größe 38, 40 oder 42 anschlagen? Das hängt ganz von deiner Maschenprobe ab. Als Anhaltspunkt, bei einer klassischen Maschenprobe von 20 Maschen/10 cm, schlägt man etwa 94 Maschen pro Teil (Rücken oder Vorderteil) für Größe 38, 98 für Größe 40 und 102 für Größe 42 an (siehe Tabelle oben). Aber das sind Richtwerte: deine eigene Maschenprobe hat immer Vorrang.
Wie berechnet man die Maschenzahl für die Ärmel eines Pullovers? Messe die gewünschte Breite an der Schulter und am Handgelenk, dann multipliziere jede mit deiner Maschenprobe (Maschen pro cm). Du erhältst die Maschenzahl am Armausschnitt und am Handgelenk, die durch regelmäßige Zunahmen entlang des Ärmels verbunden werden.
Was tun, wenn meine Maschenzahl kein Vielfaches meines Musters ist? Runde auf das nächste Vielfache (nach oben oder unten, je nachdem, wie viel Bequemlichkeitszugabe du gewinnen oder verlieren kannst) und gleiche den Breitenunterschied eher in den Randmaschen als im Muster selbst aus.
Wie berechnet man die Maschenzahl ohne Muster, nur anhand der eigenen Maße? Fertige eine Maschenprobe im gewählten Muster an, messe deine Maschenprobe, bestimme deine Zielbreite (Brustumfang ÷ 2 + Bequemlichkeitszugabe) und wende dann die Formel an: Breite × Maschen pro cm. Das ist genau die in diesem Leitfaden detailliert beschriebene Methode.
Wie viele Reihen muss man für einen Pullover stricken? Die Reihenzahl wird wie die Maschenzahl berechnet, aber für die Höhe: gewünschte Länge (cm) × Reihen pro cm deiner Maschenprobe.
Was ist, wenn ich mit meinem Garn nicht die gleiche Maschenzahl erhalte wie im Muster angegeben? Das ist normal, wenn deine Maschenprobe von der des Designers abweicht. Verwende die Umrechnungsmethode nach Verhältnis (Abschnitt 5), anstatt eine Nadelstärke zu erzwingen, um dem Muster "zu entsprechen": Es ist besser, die Nadelstärke zu wechseln, bis du die passende Maschenprobe hast, oder mit deiner eigenen Maschenprobe neu zu rechnen.
Fazit
Die Maschenzahl für einen maßgeschneiderten Pullover zu berechnen, ist ein bisschen Mathematik, ein bisschen Methode und viel Freiheit. Sobald du die Logik verstanden hast – Maschenprobe, Breite, Multiplikation, Anpassungen – kannst du jedes Muster an deine Körperform anpassen oder dein eigenes von Grund auf neu erstellen, ohne von Standardgrößen abhängig zu sein.
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